Deutschland

Einführung in das neue Reisefahrzeug

Deutschland

Dezember 2015 – 1. Januar 2016 · Aufbruch und Reisetag 1

Einführung in das neue Reisefahrzeug

Der Aufbruch

Im September 2015 haben wir unser Wohnmobil bestellt – oder so etwas Ähnliches wie ein Wohnmobil. Ein Toyota Land Cruiser HZJ 78, offroad- und weltreisetauglich. Ein Toyota – die Marke, mit der auch die bekannte Fahrt zum magnetischen Nordpol gelang. Schneller als gedacht vergeht die Zeit, bis wir es abholen können. Wir machen bis dahin eine Alpenüberquerung zu Fuß, reisen nach Ägypten, Belize und Guatemala. Am 28. Dezember 2015 fahren wir mit bepacktem Mietwagen los, um das Auto abzuholen. Wir wollen gleich einladen und losfahren, auf gar keinen Fall Zeit vertun. Es folgen zwei Tage Einführung in das Auto mit Reifenwechsel, Abschmieren des Fahrwerks und Fahrtraining. Los geht es. Der Inhaber des Geschäfts, Tom, ist verwundert, dass wir tatsächlich direkt auf Reisen gehen. Die meisten seiner Kunden bereiten sich jahrelang auf eine Reise vor.

Wir fahren los und können noch nicht glauben, dass wir ab jetzt auf einer langen Reise sind. Die Sitzfläche des Autos ist ziemlich hoch und verschafft uns einen guten Überblick. Der Einstieg ist dadurch sportlich. Beim Aussteigen sollte man den großen Schritt nach unten besser nicht vergessen.

Für die letzten Tage des Jahres halten wir in der Nähe von Heilbronn auf einer Jagdhütte. Dort feiern wir mit Svenjas Schwester Soni, ihrem Zukünftigen Basti und Freunden Silvester. Auf der Fahrt verdrecken wir das Auto durch das matschige Wetter schon mal von außen. So gefällt es uns deutlich besser. Es sah einfach noch zu neu aus.

Der Plan unserer Reiseroute ändert sich laufend. Die ursprüngliche Idee, über die Seidenstraße nach China zu fahren, haben wir verworfen. Die Fahrt im Winter über schneebedeckte Pässe in der Türkei schreckt uns ab. So entscheiden wir uns, in die Wärme nach Marokko zu fahren. Gemütlich wollen wir auf unserem Weg bis zur Fähre in Gibraltar einige UNESCO-Welterbestätten Frankreichs und Spaniens besuchen. Es gibt so viel sehenswerte Kultur in Europa. Sie wäre schon alleine eine jahrelange Reise wert.

Maulbronn

1. Januar 2016 · Reisetag 1

Über das Kloster Maulbronn geht es immer Richtung Südwesten. Die mittelalterlichen Klostergebäude sind sehr gut erhalten. Alle Stilrichtungen und Entwicklungsstufen von der Romanik bis zur Spätgotik sind gut nachzuvollziehen. Die Führung durch die ehemalige Zisterzienserabtei weckt Erinnerungen an den Aufenthalt im Kloster Heiligenkreuz auf unserer Wanderung nach Ungarn. Das frühere Leben der Mönche beeindruckt uns. Der Tagesablauf mit sieben Gebeten – das erste um 1 Uhr nachts – wirkt heute befremdlich. In unserer Vorstellung ist es ein langweiliger, harter Tagesablauf.

Dabei erfahren wir auch, wie die Maultasche erfunden wurde. Der Koch des Klosters versteckte zur Fastenzeit das den Mönchen nicht erlaubte Fleisch in Teigtaschen. So war es weder für die Menschen noch für Gott sichtbar, dachte er. Welcher Schwabe hätte das gewusst? Die Waschechten nennen sie deswegen auch „Herrgottsbescheißerle“. Heute befinden sich in den Gebäuden Verwaltungsämter und ein humanistisches Internat. Dessen berühmtester Schüler war Hermann Hesse, der das Kloster zum Ort seines Romans „Das Glasperlenspiel“ machte. In dieser Gegend sagen sich heute Fuchs und Hase gute Nacht. Die Abgeschiedenheit ist vermutlich für die Schule recht förderlich. Die Jugendlichen kommen hier sicher auf keine blöden Ideen.

Mit maximal 100 km/h tuckern wir weiter über Autobahnen und durch die Dörfer. Die Beschleunigung ist unterirdisch, der Verbrauch dafür horrend. Dafür hat der Motor genug Drehmoment, um im 5. Gang durch die Stadt zu fahren. Bergauf wird der Toyo mangels Turboaufladung immer langsamer und lauter. Leidensgenossen berichten im Buschtaxi-Forum von Pässen im Karakorum, die trotz Kriechgangs nur in Serpentinen zu erklimmen seien. Auf alle Fälle entschleunigt das Auto. Das gefällt uns.